Eine erste einfache Darstellung gibt http://de.wikipedia.org/wiki/Hempels_Paradox,
eine Übersicht mit Links und Literaturangaben http://www.gavagai.de/themen/HHP43.htm.

Den Hintergrund dieser und anderer Paradoxien skizziert Sainsbury (Paradoxien, RUB 18135, 2. Aufl., S. 114 ff.): Mit welchem Recht verallgemeinern wir Beobachtungen (Problem der Rechtfertigung), bzw. nach welchen Kriterien beurteilen wir die "Evidenz" und die Qualität von Anhaltspunkten unserer Verallgemeinerungen (Problem der Charakterisierung)? Mit diesen Fragen befasst sich die "Theorie der Bestätigung".
PRINZIP (V.): Eine Verallgemeinerung wird von jeder ihrer Instanzen bestätigt.
("bestätigen" heißt nicht: "beweisen" oder "etablieren"; Gegenteil von "bestätigen" ist "(ab)schwächen", dessen höchster Grad die Falsifikation (Widerlegung).
PRINZIP (Ä.): Wenn zwei Hypothesen äquivalent sind, dann bestätigen alle Daten, welche eine dieser Hypothesen bestätigen, auch die andere.
PARADOX der Raben:
(1) Alle Raben sind schwarz.
(2) Es gibt keine Raben, die nicht schwarz sind.
(3) Alles, was nicht-schwarz ist, ist ein Nicht-Rabe.
Diese drei Sätze sind äquivalent.
Nun bestätigt die Entdeckung eines weißen Schuhs den Satz (3); damit bestätigt nach dem Prinzip (Ä.) diese Entdeckung auch Satz (1), was ja wohl paradox ist.
LÖSUNGEN:
1) Man differenziert bei der Bestätigung nach Graden (und lehnt die Möglichkeit eines Beweises induktiver Aussagen ab), man erkennt jedoch prinzipiell die paradoxe Schlussfolgerung an.
2) Man lehnt die Geltung des logisch richtigen Prinzips (Ä.) für Aussagen über die reale Welt ab und schränkt die Geltung auf "ähnliche" Aussagen ein (in diesem Fall Aussagen über Stare oder Krähen oder ähnliche Vögel).
3) Man lehnt das Prinzip (V.) ab. Diese Lösung wird von Sainsbury favorisiert.
Meine Stellungnahme:
Die Einengung auf drei mögliche Lösungen verdankt sich der logischen From der Darstellung Sainsburys und befriedigt intellektuell nicht ganz.

Weitere Links:
findet man bei http://philo42.wordpress.com, dort unter "Paradoxien" (Rätsel 5).
http://www.philoscience.unibe.ch/lehre/winter05/paradox/Syllabus%20Paradoxa%20WS%202004-05 (Einführungskurs, Übersicht über Paradoxe und Literatur)

Eine gut lesbare Diskussion bietet W. Poundstone (Im Labyrinth des Denkens, rororo 19745, S. 45 ff.); zu knapp ist Johann Bergers Darstellung (Paradoxien in Naturwissenschaften, Geschichte und Philosophie, Sonderausgabe 2006, S. 124 ff.) mit einigen Abschweifungen und einem lustigen Phänomen:
Berger referiert kaum verständlich Quines Lösung, die wohl Lösung 2) gleicht (?), und spricht dabei von "projektible Prädikate"; das ist Übersetzung von "projectible predicates". Hier liegt ein doppelter Witz vor, 1. dass nämlich "projectible" (so viel wie "übertragbar"?) nicht übersetzt, sondern "eingedeutscht" wird und so unverständlich bleibt, 2. dass "projectible" in englischen Wörterbüchern nicht zu finden ist (was Berger vielleicht zur Eindeutschung veranlasst) - es gibt "projectable".